Softwareunternehmen im Zeitalter der LowCode-Plattformen

Gerade wurde OutSystems – ein Anbieter einer sog. LowCode-Plattform – erneut mit einem Investment von KKR und Goldman Sachs in Höhe von $360 Millionen ausgestattet. Die Summe soll OutSystems hauptsächlich dazu verwenden, Ihre Führung im Bereich der sog. „Enterprise high productivity Application Platform as a Service“ weiter auszubauen. Laut Gartner und Forrester ist OutSystems bereits ein Vorreiter und belegt diese Position seit diese Plattformen von den Analysten berücksichtigt werden. Ebenfalls sieht Gartner die LowCode-Plattformen in Ihrem HypeCycle for Platform as a Service bereits auf dem Plateau der Produktivität.
Was steckt hinter LowCode? Warum werden solche gewaltigen Summen in diese Technologie gesteckt? Ein zentrales Thema bei vielen Softwareunternehmen ist der permanente Personalmangel. Projekte müssen bereits abgesagt oder auf später verschoben werden, da sich aktuell niemand findet, der noch Entwicklungskapazitäten verfügbar hat. Auch agile Vorgehensweisen können dieses Problem nicht entschärfen. Genau hier kommen die Anbieter der LowCode-Plattformen ins Spiel. Sie haben Plattformen geschaffen, mit welchen auch sog. citizen developer Anwendungen in Rekordzeit erstellen können. Meist über einen grafischen Editor werden die Bestandteile der geplanten Anwendung in ein Modell gepackt und miteinander verknüpft. Auf Knopfdruck landet die kurz zuvor modellierte Anwendung in der LowCode-Plattform und kann sofort benutzt werden. Meist ohne eine Zeile Programmcode, wodurch auch der Begriff LowCode ist gleich NoCode geprägt wurde. Die Anbieter versprechen, dass Mitarbeiter der einzelnen Fachabteilungen selbst in die Lage versetzt werden, ihre benötigten Anwendungen selbstständig zu erstellen. Ganz ohne jeden ausgebildeten Softwareentwickler. Diese Tatsache und die Vorhersage der Analysten, dass bis zum Jahre 2020 $15,5 Mrd. mit LowCode Plattformen umgesetzt werden, rechtfertigen diese Investitionen. Abschließend noch der Hinweis, dass die Eclipse Foundation zukünftig auch mit einer eigenen LowCode-Plattform auf OpenSource basis mit von der Partie sein wird, was der weiteren Verbreitung dieser Plattformen sicherlich weiteren Schwung geben dürfte.
Es stellt sich aber nun die Frage: Was machen Softwareunternehmen dann zukünftig, wenn Ihre Kundschaft deren Anwendungen teilweise selbst erstellen, pflegen und betreiben?
Ich glaube etwas Ähnliches gab es schon vor vielen Jahren, als die ersten Roboter Einzug in die Produktionshallen der großen Herstellungsbetriebe gehalten haben. Mitarbeiter wurden über Nacht ersetzbar und die Prognosen der Arbeitslosenzahlen für die kommenden Jahren sahen düster aus… Heute arbeiten mehr Menschen als je zuvor im produzierenden Gewerbe. Keine der Hiobsbotschaft ist so eingetreten. Gerade die Automatisierung, welche mit den Robotern Einzug in die Produktionshallen gehalten hat, brachte den neuen Schwung. Produkte konnten schneller, präziser und günstiger erzeugt werden, was die Nachfrage steigen lies.
Wenn es den Softwareunternehmen gelingt, Ihre bisher sehr handwerklichen oder auch künstlerischen Tätigkeiten teilweise zu automatisieren, sei es durch den Einsatz von LowCode Plattformen oder anderen Automatisierungswerkzeugen, sollte Ihnen eine sorglose Zukunft bevorstehen. Denn die Digitalisierung macht vor Ihren „Schöpfern“ selbst nicht halt!
Es bleibt auf jeden Fall spannend, wie sich der Markt für Softwareunternehmen und deren Aufgaben in Zukunft verändern wird.